KINDER BEIM AUGENARZT
Kinder erblicken leider nicht immer mit gesunden Augen das Licht der Welt. Vier bis sechs Prozent leiden unter einer Fehlstellung der Augen (Schielen). Jedes vierte Kleinkind ist höhergradig weit- oder kurzsichtig. Etwa 2 von 10.000 Kindern kommen mit einem Grauen Star (angeborene Linsentrübung) zu Welt.
WAS ELTERN WISSEN MÜSSEN.
Die wichtigste Zeit für die Sehentwicklung sind die ersten Lebensmonate.
- 30 SSW: die Pupille reagiert auf Licht.
- 1. Lebenswoche: Es werden unkoordinierte Blicksprünge ausgeführt.
- 2. Lebenswoche: Kontraste können wahrgenommen werden.
- In der 4. Lebenswoche ergibt sich eine stabile Augenstellung.
- Die beiden Seheindrücke vom rechten und linken Auge werden miteinander verschmolzen
- ab der 7. Lebenswoche: Erlernen von beidäugigem Sehen. Die Folgebewegungen werden präziser. Die Augen können ein Objekt fixieren, ein reaktives Lächeln ist möglich. Bekannte Gesichter werden erkannt. Die Augen können auf ein nahes Objekt einstellen (Konvergenz und Akkomodation).
- ab dem 3. Lebensmonat: Anschauen von Gegenständen in der eigenen Hand möglich (Halten = Motorik, Sehen = Auge-Hand-Koordination). Tiefensehen (Stereopsis), Sensorik und Motorik arbeiten immer präziser zusammen.
- ab dem 4. Lebensmonat: Einstellung der Augen auf ein nahes Objekt (Akkomodation) weitgehend genau möglich.
- 6. – 8. Lebensmonat: Die Kinder sitzen, drehen sich und halten Gegenstände eigenständig, dies erfordert eine ausreichend gute Koordination von Augen und Motorik.
- 8. Lebensmonat bis zum 2. Lebensjahr: die Ummantelung der Sehnervenfasern (Myelinisierung) wird fertig gestellt.
In dieser Zeit "übersehene" Augenfehler führen zu einer bleibenden Sehschädigung = Schwachsichtigkeit, die später nicht mehr korrigiert werden kann. Eine verzögerte Sehentwicklung führt auch zu einer verzögerten Allgemeinentwicklung des Kindes
IN WELCHEN FÄLLEN SOLLTEN SIE SOFORT EINEN AUGENARZT AUFSUCHEN?
Bei Vorliegen sichtbarer Auffälligkeiten der Augen, wie z.B.
- Augenzittern oder Schielen
- Hornhauttrübungen
- grau-weißlich erscheinende Pupillen
- große, lichtscheue Augen
- Lidveränderungen (z.B. hängende Lider)
Bei jedem Verdacht, dass Ihr Kind eine Augenerkrankung haben könnte, u.a.
- fehlender Blickkontakt ab der 4. bis 6. Lebenswoche
- Risikokind – z.B. Frühgeburt
- verzögerte Allgemeinentwicklung
- Augenerkrankungen der Familie
Beispiele für Augenstörungen bei Kindern
- angeborene Enge oder Verschluß der Tränenwege: führt zu ständigem Tränenfluß und eitriger Sekretion
- angeborener Grüner Star: erhöhter Augendruck – führt zu einem ungewöhnlich großen "Strahlen" der Augen und zu einer bleibenden Schädigung des Sehnervs
- angeborener Grauer Star: ein- oder beidseitige Linsentrübung , erkennbar an grau-weißlichen Pupillen – führt ohne Operation zu einer massiven bleibenden Störung der Sehentwicklung
- Schielen: das ist jede Abweichung der Augen aus einer gemeinsamen Richtung, ob gelegentlich, kurzfristig oder ständig – es muß möglichst frühzeitig untersucht werden. Schielen führt zur Unterdrückung des Seheindruckes eines Auges und in der Folge zur Schwachsichtigkeit und zum Verlust des räumlichen Sehens. Als Behandlung wird je nach Schielform eine Brille verordnet, ein Auge zeitweilig verklebt und/oder eine Schieloperation durchgeführt.
SO SORGEN SIE VOR!
Regelmäßige Kontrollen bei Ihrem Facharzt schützen die Augen Ihrer Kinder.
Eine augenärztliche Untersuchung ist in jedem Lebensalter möglich - schon bei Säuglingen und Kleinkindern.
Schlechtes Sehen wird selbst von den Eltern kaum bemerkt, nur starkes Schielen oder Verdacht auf Blindheit fallen auf. Einseitig schlechtes Sehen bleibt oft unentdeckt!
Klagen über Kopfschmerzen oder Schwindelgefühl müssen bei Kindern besonders ernst genommen werden, der Besuch beim Augenarzt ist unerlässlich.
Die im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen Untersuchungstermine 10. bis 14. Lebensmonat und 22. bis 26. Lebensmonat sind das absolute Minimum.
Wir empfehlen eine Kinderaugenuntersuchung 1 -2x/Jahr und eine objektive Dioptrienbestimmung (Skiaskopie mit Cyclopentolat) mit 2 Jahren und vor Schulbeginn.
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